Die Betriebsplanung für die Janre 2020 bis 2034 wird im Holzschopf Rieden feierlich unterschrieben von Fabian Dietiker (Leiter Abteilung Wald), Erwin Städler (Kreisförster), Max Wehrli (Präsident Betriebskommission), Martin Blattner (Betriebsleiter Forstbetrieb Jura), Sylvia Lüthi (Aktuarin) und Ruedi Iseli (Forstingenieur).
1/4 Die Betriebsplanung für die Janre 2020 bis 2034 wird im Holzschopf Rieden feierlich unterschrieben von Fabian Dietiker (Leiter Abteilung Wald), Erwin Städler (Kreisförster), Max Wehrli (Präsident Betriebskommission), Martin Blattner (Betriebsleiter Forstbetrieb Jura), Sylvia Lüthi (Aktuarin) und Ruedi Iseli (Forstingenieur).
Martin Blattner stellt die Ziele der neuen Betriebsplanung des Forstbetriebs Jura vor.
2/4 Martin Blattner stellt die Ziele der neuen Betriebsplanung des Forstbetriebs Jura vor.
Die Betriebsplanunterzeichnung mit Vertretern des Forstbetriebs, des unterstützenden Ingenieurbüros, dem Kanton und den Ortsgemeinden ist im Kanton Aargau immer ein feierlicher Akt.
3/4 Die Betriebsplanunterzeichnung mit Vertretern des Forstbetriebs, des unterstützenden Ingenieurbüros, dem Kanton und den Ortsgemeinden ist im Kanton Aargau immer ein feierlicher Akt.
Kreisförster Erwin Städler erläutert die Entwicklung des Forstbetriebs in den vergangenen 100 Jahren.
4/4 Kreisförster Erwin Städler erläutert die Entwicklung des Forstbetriebs in den vergangenen 100 Jahren.
13.02.2020 08:37

Klimawandel beschert Förstern Sorgenfalten

Der Betriebsleiter des Forstbetriebs Jura Martin Blattner setzt seinen Schwerpunkt in der neuen Betriebsplanung weiterhin auf der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes. Kopfschmerzen bereiten ihm dabei hauptsächlich die grassierenden Schäden von Borkenkäfern sowie die weiteren Schwierigkeiten der Klimaerwärmung für die Bäume.

Küttigen Der Forstbetrieb rund um die Dörfer Küttigen, Erlinsbach und Densbüren ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Die rund 1‘200 Hektaren Wald am Fusse des Juragebirges sind «ein Hotspot der Biodiversität», wie Erwin Städler weiss. Der Kreisförster des Forstbetriebs Jura präsentiert den Anwesenden eine Statistik, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. «Damals wurde der Wald geplündert und ausgeblutet.»

Seit dem neuen Waldgesetz, das daraufhin in Kraft gesetzt wurde, ist das oberste Gebot der Forstbetriebe die Erhaltung und die Pflege ihrer Zonen. Trotz oder genau wegen dieser Kehrtwende zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung habe sich der jährliche Holzertrag aus diesem Gebiet von fünf auf circa zehn Kubikmeter pro Hektare jährlich verdoppelt.

«In jeder der 63 Einheiten à 10 bis 20 Hektaren wird alle sechs Jahre nachhaltig geholzt», erläutert Martin Blattner. «Dabei schauen wir situativ, wie sich die Bäume entwickelt haben und wie viel wir fällen können.» Auch der aktuelle Markt spiele dabei immer eine Rolle. «Wenn in einem Jahr ein Rottannenüberschuss herrscht, macht es keinen Sinn, weitere Rottannen zu fällen.»

Trotz überlegter Bewirtschaftung kann der Forstbetrieb längst nicht mehr ausschliesslich von seiner Holzproduktion finanziert werden. Für die aufwändige Pflege des Waldes ist er auf Unterstützungsgelder vom Kanton angewiesen. Im Gegenzug dafür muss er seine Tätigkeiten sorgfältig dokumentieren und von den Behörden absegnen lassen. Genau das hat der Forstbetrieb Jura nun für die nächsten 15 Jahre wieder geschafft. Am Dienstag, 11. Februar, wurde der neue Betriebsplan im Küttiger Holzschopf Rieden für die Jahre 2020 bis 2034 feierlich unterzeichnet.

Haben Buche und Fichteausgedient?

In diesen Jahren werden einige Herausforderungen auf den Forstbetriebsleiter Martin Blatter zukommen. «Wir spüren den Klimawandel schon seit mehreren Jahren», so der junge Küttiger. «Unsere heimischen Baumarten, vor allem die Buche und die Rottanne, die zusammen über 60% des gesamten Bestandes ausmachen, haben Mühe mit dem wärmeren Klima und werden klimaresistenteren Baumarten weichen müssen.» Die langen Trockenperioden der letzten Jahre begünstigten unter anderem auch die Vermehrung des Borkenkäfers, der die Bäume weiter schwächt.

Ein weiteres Tier, das in der Region sein Unwesen treibt ist das Wildschwein. Erst kürzlich wurden zig frisch gepflanzte Eichen und Eiben mit der Handschrift dieser Schädlinge ausgegraben. «Dass die Wildsäue sogar im Wald Schaden anrichten, ist neu», so Blatter besorgt. Auch Rehe fühlen sich im fein säuberlich gepflegten Dauerwald allmählich fast zu wohl, denn auch sie schwächen die Bäume. «Wir müssen schauen, dass wir diese Bestände in den Griff bekommen», so Blatter. Umso erfreulicher sei hingegen die Rückkehr der Luchse und Wölfe in die heimischen Wälder, die das Problem vielleicht von selbst lösen.

Immaterieller Wert des Waldes unterschätzt

Ruedi Iseli von der Hasspacher&Iseli GmbH, die den Forstbetrieb bei der Entwicklung der Betriebsplanung unterstützt hat, betonte die Wichtigkeit einer langfristigen Planung wenn es um unser wertvollstes Gut geht. «Betriebsleiter werden oft am kurzfristigen Gewinn gemessen, die sie aus ihrem Wald herausholen, dabei ist der immaterielle Wert des Waldes viel grösser und wird weiter steigen», sieht Iseli voraus.

Dies gilt für das Gebiet des Forstbetriebs Jura im Besonderen, da rund 21% der Waldungen als selten und ökologisch wertvoll gelten und noch mehr unter Nutzungsschutz stehen. «Ich bekomme immer wieder Anrufe von Leuten, die in diesen Gebieten umgestürzte Bäume entdecken und es bedauern, dass man diese einfach liegen lassen muss», so Martin Blattner. «Doch es ist nicht schade. Das Reservat ist dazu da, dass diese Bäume Platz bekommen zu verfaulen und neue Bäume wachsen können.»

Von Irene Müller