Der Baustoff des 21. Jahrhunderts
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25.03.2020 08:15

Holz – Der Baustoff des 21. Jahrhunderts

CO2-Emissionen, Erderwärmung, Klimawandel – Bäume nehmen während des Wachstums viel CO2 auf. Sie speichern den Kohlenstoff in der Biomasse. Damit ist Holz Teil einer möglichen Lösung für die so wichtige Erreichung der Klimaziele.

Das Bauen mit Holz hat in den letzten Jahren eine wahre Renaissance erlebt. Nicht nur Chalets und Einfamilienhäuschen werden hierzulande aus Holz gebaut. Auch Schulgebäude, Brücken, Lagerhallen und sogar Hochhäuser. Und es besteht weiter viel Potenzial. Immer mehr Planer setzen auf den nachhaltigen Baustoff, inspirieren sich gegenseitig und entwickeln zukunftsweisende Lösungen.

Mit Holz ist viel Lebensqualität verbunden. Wälder prägen unsere Landschaft. Sie sind ein Ort der Erholung - ein wichtiger und positiver Umweltfaktor. Jährlich wachsen im Schweizer Wald zehn Millionen Kubikmeter Holz nach, geerntet werden aber nur etwa fünf Millionen Kubikmeter. Es besteht weiter Potenzial noch mehr auf den lokal nachwachsenden Baustoff zu setzen. Das macht Sinn, denn Holz weist zahlreiche Vorteile auf. Es ist ein nachwachsender Rohstoff, den wir lokal zur Verfügung haben. Holz verfügt über ein niedriges spezifisches Gewicht sowie einen guten Wärmedämmwert. Nicht nur optisch kommt Holz gut an - der natürliche Baustoff sorgt auch für ein angenehmes und gesundes Raumklima und geniesst daher eine hohe Sympathie. Die Klimaziele rücken Holz noch mehr ins Zentrum, denn mit Holz lässt sich die CO2-Bilanz eines Gebäudes massiv verbessern.

Klimapolitik

Wälder sind CO2-Speicher. Sie spielen deshalb eine wichtige Rolle bei der Einhaltung der Klimaziele. Eine nachhaltige Bewirtschaftung und Nutzung der erneuerbaren Ressource Holz ist entscheidend für den CO2-Haushalt. Mit der Klimapolitik strebt die Schweiz eine aktive Rolle zur Reduktion der Treibhausgase an. Aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse des Weltklimarates verfolgt der Bundesrat das Ziel, dass ab dem Jahr 2050 die Schweiz unter dem Strich keine Treibhausgasemissionen mehr ausstossen. Dies verlangt, dass jedermann sein Leben ressourcen- und klimaschonender gestaltet. Der Klimawandel dominiert seither zurecht die politische Debatte. Mit zahlreichen Demonstrationen fordert die Klimajugend zum Handeln auf. Die Umsetzung von Massnahmen verläuft aber weiterhin zögerlich.

Aktiver Klimaschutz

Nachhaltigkeit ist inzwischen auch in der Immobilienentwicklung ein wichtiges Entscheidungskriterium, denn 40 Prozent des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen fallen im Gebäudebereich an. Die Betrachtungsweise der Lebenszykluskosten und der entsprechenden Emissionen ist entscheidend - Von der Entwicklung über den Betrieb bis zur Entsorgung. «Holzbauten sind im Vergleich günstiger, wenn man die graue Energie – also den Energieeinsatz aller angewandten Produktionsprozesse – mit einberechnet. Diese Nachhaltigkeit sollte heute eigentlich für alle Bauherrschaften einen hohen Stellenwert haben», so Hansjörg Steiner, Zentralpräsident von Holzbau Schweiz.

Innovative Branche

Ein weiterer Vorteil des Holzbaus ist die Modulbauweise. Man fertigt ganze Wände, Böden und Tragkonstruktionen in der Fabrik vor und transportiert sie danach zur Baustelle. Die Vorfertigung ermöglicht eine schnellere Bauzeit, insbesondere in den urbanen Gebieten, wo die Zugangswege erschwert sind. Bei einfacheren Bauprojekten spart man so auch Geld. Die vorausschauende Planung vermeidet Überraschungen im Bauprozess und führt zu einer hohen Kostensicherheit und Bauqualität.

Neue Planungswerkzeuge können das Nutzungsverhalten und eine nachhaltige Bewirtschaftung bereits in der Entwicklung berücksichtigen. Die Digitalisierung ist im Holzbau bereits stark fortgeschritten. Forschungsprojekte prüfen neue Fertigungstechniken, zum Beispiel die Verarbeitung und Montage durch Roboter. Holz eignet sich dafür besonders gut, weil es leicht zu verarbeiten ist. Das hohe Engagement in Forschung und Entwicklung, Bildung und Innovation sowie die stetige Weiterentwicklung modernster Fertigungstechnologien und vorgefertigter Bausysteme treiben den Holzbau als nachhaltige und leistungsfähige Bauweise erfolgreich in die Zukunft.

Anforderungen an den Holzbau - «Sicherheit und Brandschutz»

Im Brandschutz bei Gebäuden gelten für alle verwendeten Materialien und Konstruktionen dieselben Anforderungen. Für unterschiedlich verwendete Baustoffe sind immer die geforderten Feuerwiderstandsdauern nachzuweisen. Die Brandschutzvorschriften in der Schweiz sind fortschrittlich. Auch im Holzbau werden mit allen erforderlichen Baumassnahmen die brandschutztechnischen Ziele eingehalten. Dies gilt auch für die baurechtlichen Einhaltungen des Wärme- und Schallschutzes. Holz kann als Baustoff heute relativ frei eingesetzt werden.

Kreative Spielwiese

Immer mehr Planer setzen auf den nachhaltigen Baustoff. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Eine neue Generation von Planern inspiriert sich gegenseitig und entwickelt innovative Lösungen. Im letzten Jahr präsentierte Swatch den neuen Hauptsitz in Biel. Der imposante 240 Meter lange geschwungene Holzbau stammt vom japanischen Stararchitekten Shigeru Ban. Der Neubau beweist eindrücklich, die Holzbaukompetenz in der Schweiz. Holz lässt sich aber auch beliebig mit anderen Materialien kombinieren, denn Holz eignet sich sowohl für die Fassade als auch die Tragkonstruktion und den Innenausbau.

Erneuerung Gebäudepark

Eine grosse Herausforderung liegt auch darin, den bestehenden Gebäudebestand gezielt an neue Standards anzupassen. Die aktuelle Sanierungsrate verharrt weiterhin auf weniger als einem Prozent. Dem Holzbau müsste bei der Erneuerung eine wichtige Rolle zukommen. Wer sich für den Einsatz von Holz entscheidet, hat Grund stolz zu sein. Denn damit leistet er seinen ganz persönlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Das ist im 21. Jahrhunderts ein zentrales Argument für den nachwachsenden Rohstoff. Auch die flexiblen Einsatzmöglichkeiten von Holz bei Umbauten und Aufstockungen sprechen für den Einsatz von Holz.

Holzbau ohne Grenzen

Bauen mit Holz hat sich auch bei mehrgeschossigen etabliert. Eine Vielzahl hoher Gebäude mit Tragstrukturen aus Holz wurde in den vergangenen Jahren in den Städten gebaut. Auf dem Areal Suurstoffi in Risch-Rotkreuz entstand 2018 das erste Holzhochhaus in der Schweiz. Die dabei gemachten Erfahrungen sind positiv. Vermehrt setzen Investoren deshalb auf den Baustoff Holz. Dank Forschungs- und Entwicklungsarbeiten konnten tragfähige Grundlagen erarbeitet werden, die eine Liberalisierung des Schweizer Baurechts und die Öffnung für den Holzbau ermöglichten. Viele weitere Grossprojekte sind in Planung oder bereits im Bau, wie die Lokstadt in Winterthur, das Hochhaus V-Zug in Zug oder der Campus Biel/Bienne der Berner Fachhochschule.

Bauen mit Holz, weil es Sinn macht

Aufgrund der vielen Vorteile von Holz stellt sich nicht die Frage, ob mehr mit Holz gebaut werden soll, sondern vielmehr, warum nicht bereits heute mehr mit Holz gebaut wird? – Denn die Argumente für die Wahl des nachwachsenden Baustoffs liegen mit der Klimaveränderung auf der Hand. Die neue CO2-Gesetzgebung ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Eine Anpassung der Rahmenbedingungen wäre ein möglicher Weg, den Holzbau nachhaltig zu fördern. Über lang oder kurz führt kein Weg am Baustoff Holz vorbei. Der ETH-Professor und Holzbauspezialist Andrea Frangi bringt es auf den Punkt: «Das 19. Jahrhundert war dasjenige des Stahls. Das 20. Jahrhundert gehörte dem Beton. Das Jahrhundert, in dem wir uns jetzt befinden, ist das neue Zeitalter des Holzes.»

pd