Die Othmarsingerin hat schon an diversen Weltmeisterschaften teilgenommen.
1/3 Die Othmarsingerin hat schon an diversen Weltmeisterschaften teilgenommen.
Die junge Sportlerin ist fasziniert von der Geschwindigkeit beim Plastikbecher stapeln.
2/3 Die junge Sportlerin ist fasziniert von der Geschwindigkeit beim Plastikbecher stapeln.
Annina Siegrist trainiert seit vielen Jahren bei der Trainingsgruppe FreeStacks.
3/3 Annina Siegrist trainiert seit vielen Jahren bei der Trainingsgruppe FreeStacks.
20.03.2020 10:00

Ein Tisch, zwölf Becher und eine schnelle Hand

Sport Stacking ist eine Sportart, die nebst Geschick und Schnelligkeit vor allem Ausdauer erfordert. Annina Siegrist bringt alle diese Eigenschaften mit und zählt darum auch aktuell zu den schnellsten Schweizerinnen.

Othmarsingen Die 18-jährige Stackerin aus Othmarsingen stapelt Plastikbecher um die Wette. Sie erzählt im Interview über ihre eigene Erfahrungen an Wettkämpfen, gibt Tipps zum Sportstapeln und erklärt, was sie am Geschicklichkeitssport so fasziniert.

Wie sind Sie zum Sport Stacking gekommen?

Als ich in der 5. Primarstufe ein Klassenlager besuchte, haben meine Lehrpersonen eine ganze Box voller «Speed Stacks» mitgebracht. Ich hatte diesen Sport einige Jahre zuvor bereits einmal von weitem gesehen, kannte ihn aber eigentlich noch gar nicht. Diese Möglichkeit zum Becher stapeln musste ich natürlich sofort ausprobieren und habe in jenem Klassenlager ausgiebig Zeit mit Stapeln verbracht.

Was fasziniert Sie so am Plastikbecher stapeln?

Definitiv die Geschwindigkeit. Dazu kommt, dass man sich einfach immer verbessern möchte, was ein grosser Ansporn ist, weiter zu trainieren. Bei Turnieren ist es dann aber die Nervosität, die man in den Griff bekommen muss: Man hat pro Disziplin nur drei Versuche, das kann schnell einmal schief gehen. Darüber hinaus finde ich es einfach eine tolle Sache: Man hat mit wenigen Utensilien eine Vielzahl von Möglichkeiten: Sport Stacking ist fast überall möglich und das Stackingset nimmt nicht viel Platz weg. Es ist auch schön zu sehen, dass sich diese Sportart über die ganze Welt verbreitet hat. Ausserdem macht es halt einfach Spass, vor allem ist es toll, wenn man die Sportart im Team ausüben kann, die Stafette ist immer wieder sehr, sehr spannend.

Wie oft trainieren Sie?

Leider nicht so oft, es fehlt mir schlicht die Zeit. Zwei Wochen vor einem Wettkampf versuche ich, alle zwei Tage zu trainieren. Wenn jedoch gerade kein Turnier ansteht, kann es gut sein, dass ich die Becher einige Wochen nicht berühren. Aber das war nicht immer so. In den ersten ein bis zwei Jahren, als ich frisch mit dem Sport Stacking begonnen hatte, trainierte ich oft täglich mehrere Stunden lang (vor allem in den Ferien). Es war motivierend zu sehen, wie ich fast jeden Tag einen neuen Rekord erzielte, dies ist heute schwieriger und kann lange dauern.

Wie lange braucht ein Anfänger, um erfolgreich zu werden?

Eigentlich nicht einmal so lange. Bei mir purzelten anfangs meine neuen persönlichen Rekorde. Wenn man täglich trainiert, kann man schon in ein paar Wochen unter zehn Sekunden im Cycle kommen – je nach Alter, je jünger man ist, desto schneller erreicht man bessere Zeiten. Wenn man dann auf diesem Nivea ist, wird es etwas schwieriger, wenn man jedoch dran bleibt, kann man auch die Grenze von acht, oder sogar sieben Sekunden Grenze erreichen. Das braucht dann aber schon Disziplin und viel Motivation.

An wie vielen Weltmeisterschaften haben Sie schon teilgenommen?

Im Jahr 2016 war ich an meiner ersten Weltmeisterschaft in Deutschland dabei. Bei 81 weiblichen Teilnehmerinnen wurde ich 34. im Finale der All-Around Wertung (die Zeiten aller Einzeldisziplinen zusammengerechnet). Im letzten Jahr fand die WM in Spanien statt. Dort erreichte ich den 15. Platz von 85 Teilnehmerinnen. In meiner Kategorie 16-18 F wurde ich All-Around 3.

Wie genau läuft so ein Wettkampf ab?

Es gibt jeweils einen Vorlauf, in diesem kann man leider keine offiziell anerkannten Rekorde machen. Es gibt drei Einzeldisziplinen, der 3-3-3, der 3-6-3 und der Cycle. Dazu kommt das Doppel zu zweit und die Staffel, die man zu viert oder zu fünft absolviert. Bei jeder Disziplin kann man zwei Aufwärmversuche (Warm-Ups) anfordern, danach hat man drei Versuche. Bei der Qualifikation können alle Teilnehmenden in irgendeiner Reihenfolge stacken. Im Finallauf wird gemäss der Rangliste im Vorlauf gestartet, die Besten allerdings am Schluss. Eigentlich läuft der Finallauf genau gleich ab wie der Vorlauf, nur wird jede Disziplin einzeln vorgezeigt und nicht alle nacheinander.

Kann man sagen, welches Land der «Champion» im Stapeln ist?

Vor einigen Jahren waren es ganz klar die USA, doch heute ist Südkorea beinahe ebenbürtig. Malaysia könnte den Titel auch verdienen, denn dieses hat zur Zeit den schnellsten Stacker der Welt: Chan Keng Ian.

Wie geht es Ihnen jeweils vor einem Turnier?

Meistens schlafe ich die Nacht zuvor nicht gerade blendend. Vor dem Wettkampf bin ich eigentlich noch entspannt. Wenn es dann aber wirklich zum Finale kommt, bin ich sehr nervös. Mittlerweile habe ich diese Nervosität besser im Griff, jedoch  ich schwitzige jedoch und habe zugleich kalte Hände, das macht mir immer noch zu schaffen.

Gehen Sie lieber an nationale oder internationale Wettkämpfe?

Um meine persönlichen Zeiten im offiziellen Ranking zu verbessern, sind nationale Turniere definitiv besser geeignet; man ist weniger abgelenkt und die Umgebung ist einem bekannt. Internationale Wettkämpfe sind natürlich viel interessanter, man kann sich mit anderen Ländern austauschen und den Schnellsten zugucken. Wobei ich anfügen muss, dass auch Turniere in der Schweiz oft ausländische Gäste haben (zum Beispiel aus Grossbritannien, Deutschland oder Dänemark, einmal waren sogar die USA vertreten).

Gibt es einen Unterschied zwischen Schweizer Wettkämpfen und dem Ausland?

Die beiden WMs waren meine einzigen ausländischen Turniere. Diese Wettkämpfe dauerten zwei Tage an, was aber auch normal ist für Weltmeisterschaften. Von der Grösse her kann man nationale und internationale Turniere schlecht vergleichen. In Grossbritannien und Irland gibt es teilweise Turniere von nur 20-30 Personen, bei den Schweizermeisterschaften gibt es etwa 70-80 Teilnehmende. Bei WMs sind es dann mehrere Hundert StackerInnen.

Auf was kommt es beim Sport Stacking an?

Ganz klar auf die Geschwindigkeit, aber auch auf die Stapeltechnik und wie viele «Fehler» man macht. An Wettkämpfen kommt zudem die Nervosität ins Spiel, diese kann entscheidend sein.

Haben Sie irgendwelche Tipps, wie man am besten den Umgang mit den Bechern lernt?

Heutzutage finden sich zahlreiche YouTube Videos, die einem das Sport Stacking zeigen wollen. Am besten schaut man sich jedoch die offizielle Website von Speed Stacks an (www.speedstacks.com/learn oder für Fortgeschrittene unter www.thewssa.com, dann «Videos»), dort findet man alle nötigen Tricks und Tipps, um möglichst rasch sehr schnell zu werden. Darüber hinaus ist jedem neuen Becherset eine Stapelanleitung beigelegt, es geht also auch nicht digital. Und dann heisst es einfach nur noch: üben, üben, üben!

An wen richtet sich die Sportart?

Prinzipiell an alle. Man muss allerdings die Ausdauer besitzen, etwas immer schneller machen zu wollen. Natürlich eignet sich diese Sportart vor allem für Kinder, denn dort kann man sich am einfachsten verbessern. Es sind jedoch auch ältere Personen eingeladen, ihre motorischen Fähigkeiten und Koordination zu verbessern! Solange man Spass daran hat, ist es auf jeden Fall das richtige. Die Anschaffung der Stacking-Utensilien ist auch nicht teuer (eine Matte, einen Timer und natürlich Becher). Mein Tipp ist es, es einfach einmal zu versuchen und am besten in ein Training zu kommen. Mehr Infos dazu finden sich online auf www.speedstacks.ch. Schauen Sie doch am besten einmal vorbei, wir würden uns über zahlreiche begeisterte Stackerinnen und Stacker freuen!

Interview: Chantal Bigler