Ralf Heller.
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1/2 Ralf Heller. z.V.g.
Cornelia Leardis.
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2/2 Cornelia Leardis. z.V.g.
31.01.2020 13:30

Ein Leben verstreicht, um andere zu retten

Organtransplantation ist ein immergrünes Diskussionsthema. Was spricht dafür, was dagegen? Cornelia Leardis ist Organspenderin. So war es auch ihr Partner Ralf Heller, der bei einem Arbeitsunfall ums Leben kam. Sie erlebte als Angehörige jeden Schritt mit - vom Unfall, zum Hirntod bis zur Entnahme der Organe.

Region Nach gut einem Jahr nach Einführung des Organspenderegisters haben sich rund 80'000 Personen eingetragen. Im vergangenen Jahr konnten von 157 verstorbenen Personen Organe transplantiert werden. Da ist etwas gleichhoch wie im Vorjahr. Cornelia Leardis ist überzeugte Organspenderin. Sie verlor ihren Lebenspartner Ralf Heller bei einem Arbeitsunfall. Er war ebenfalls Spender. Sie erlebte dadurch jeden Prozess zwischen Tod und Organentnahme mit. Sie hat das Erlebte gut verarbeitet. Das, so sagt sie, auch wegen der Begleitung von Swisstransplant. «Ich war und bin bis heute nie allein.»

Kenntnisnahme per Facebook

Für Ralf Heller war der 2. Mai 2017 der erste Tag im neuen Job. An diesem Tag passierte der Unfall. Er war gelernter Metallbauer und arbeitete temporär. Sein Auftrag war es, ein Dach zu restaurieren. Gesichert stieg er nach oben und begann mit seiner Arbeit. Dann geschah es: Das Dach stürzte ein und sein Sicherungsseil war einMeter zu lang. Sieben Meter stürzte er in die Tiefe. Mit schwerem Schädel-Hirntrauma fuhr ihn die Ambulanz ins Spital. Da er keinerlei Personalien bei sich trug, wussten die Ärzte weder Name, noch konnten Sie Angehörige informieren. Die Kenntnis, dass es sich um einen Organspender hielt, war in weiter Ferne. Sein neuer Arbeitgeber suchte daher auf Facebook nach Angehörigen. Cornelia Leardis sah den Eintrag und meldete sich. Unverzüglich machte sie sich mit seiner Patientenverfügung auf den Weg ins Spital. Doch noch immer konnte der Patient nicht identifiziert werden. Denn sie waren nicht veheiratet. Cornelia Leardis wusste aber, wo Ralf sein Auto parkierte und holte schliesslich seine Papiere. Er konnte nun identifiziert werden.

«Er reagierte auf mich»

Für Cornelia Leardis begannen zwei schier endlose Tage. Nachdem bekannt wurde, dass der Patient Organspender war, kamen zwei Angestellte von Swisstransplant ins Spital, um sie zu unterstützen. Für Leardis sei das eine grosse Unterstützung gewesen. Denn sie realisierte, dass sie ihren geliebten Partner verlieren würde. Während des ersten Tages habe er noch auf ihre Berührungen und die Stimme reagiert, am zweiten Tag aber seien seine Reaktionen verflogen. «Bis dahin reagierte er auf mich», berichtet sie. Es kam schliesslich zur Frage, ob man die lebenserhaltenden Geräte ausschalten soll. Gemäss Patientenverfügung sollte dies seine Partnerin entscheiden. Plötzlich musste sie über Leben oder Tod urteilen. Doch nach Gesprächen war für sie klar: «Ich musste ihn gehen lassen. Ralf wollte kein halbes Leben. Er wollte gehen.» Schliesslich diagnostizierte der Arzt den Hirntod.

Herz pocht in der Brust eines 46-Jährigen

Nach dem Hirntod mussten die Organe entnommen werden. Und für Cornelia Leardis war es seit über 48 Stunden im Spital an der Zeit, nachhause zu gehen. «Als ich aus dem Spital trat, standen da drei Fahrzeuge von Swisstransplant bereit für den Transport.» Für Leardis war das sinnbildlich. Ein Leben vergeht, drei andere dürfen weitergehen. Sie weiss nicht, wer ein Organ von ihrem verstorbenen Partner bekam, aber wohin sie gingen. «Sein Herz hat nun ein 46-jähriger Mann aus Zürich», berichtet sie.

Sie darf immer bei Swisstransplant telefonieren, um sich über das Wohlbefinden des Empfängers zu erkunden. «Das ist sehr schön zu wissen.»

Rinaldo Feusi