Als Stiftungsratsmitglied von Pro Mente Sana evaluiert Dr. Thomas Ihde regelmässig Institutionen, die eine Rehabilitations-, Tages- oder Wohnstruktur für Menschen mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung anbieten. Der renommierte Psychiatrie-Chefarzt der fmi-Spitäler war für eine solche Visitation im Tageszentrum in Aarau zu Besuch.
1/1 Als Stiftungsratsmitglied von Pro Mente Sana evaluiert Dr. Thomas Ihde regelmässig Institutionen, die eine Rehabilitations-, Tages- oder Wohnstruktur für Menschen mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung anbieten. Der renommierte Psychiatrie-Chefarzt der fmi-Spitäler war für eine solche Visitation im Tageszentrum in Aarau zu Besuch.
12.01.2019 13:00

«Die Person steht im Mittelpunkt»

Das Tageszentrum in Aarau sei eine «Vorzeigeinstitution», schreibt Dr. Thomas Ihde in seinem Visitationsbericht. Selten habe er eine Institution gesehen, bei der das Miteinander von psychisch und körperlich beeinträchtigten Gästen so gut funktioniere.

Dr. Ihde, inwiefern unterscheidet sich das Tageszentrum von anderen Institutionen?

Als ich las, dass das Tageszentrum Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung, psychisch Erkrankte und Personen mit Mehrfachbeeinträchtigung aufnimmt, war ich sehr gespannt darauf zu sehen, wie sie das umsetzen. Fast alle Institutionen in diesem Bereich sind klar spezialisiert auf körperliche oder psychische Beeinträchtigungen. Personen die mehrfachbeeinträchtigt sind, fallen deshalb bei den meisten Institutionen durchs Netz. In der Schweiz herrscht diesbezüglich eine klare Unterversorgung.

Was macht das Tageszentrum zur «Vorzeigeinstitution», wie Sie schreiben?

Viele Institutionen behaupten in ihrem Konzept ihr Angebot sei personenzentriert. Leider wird das aber nur selten gelebt. Im Tageszentrum in Aarau steht aber wirklich die Person im Mittelpunkt. Das heisst, die Betreuung wird um die Bedürfnisse der Gäste herum aufgebaut. Jeder Gast kann bei den Aktivitäten mitmachen, die ihm zusagen und wird nicht in ein standardisiertes Programm gepresst. Diese Grundhaltung zeigt sich auch an der Art und Weise wie die Mitarbeitenden die Gäste behandeln. Für sie ist es sekundär, welche Beeinträchtigung ein Besucher hat. Jeder wird als Bereicherung angesehen.

Sehen das die Gäste selbst auch so?

Ja. Die Besucher betonten in den Einzelinterviews mit mir immer wieder, wie sehr sie es schätzen, dass die Mitarbeitenden auf gleicher Augenhöhe mit ihnen kommunizieren. Das stärke ihr Selbstvertrauen und sie fühlten sich nicht isoliert. Diese Einstellung überträgt sich auch auf den Umgang der Gäste untereinander. Sie begegnen sich mit Wertschätzung, unterstützen und ergänzen sich gegenseitig. All das hat mich wirklich sehr beeindruckt.

pd