Motivierte Klasse im Intensiv-Stützkurs für Migranten.
Foto: CR COMM
1/1 Motivierte Klasse im Intensiv-Stützkurs für Migranten. Foto: CR COMM
13.01.2019 00:00

Berufsschule Lenzburg - Migranten gezielt fördern

Deutsch ist keine einfache Sprache. Diese Erfahrung machen junge Migranten, welche eine Lehre absolvieren und die Berufsschule Lenzburg besuchen. Im Intensiv-Stützkurs können sie ihre schriftlichen und mündlichen Deutschkenntnisse gezielt verbessern.

Beim obligatorischen Deutschtest zu Beginn der Lehre werden die Deutschkenntnisse aller Schüler überprüft. In letzter Zeit hat die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund zugenommen. Dass sie ihr mündliches und schriftliches Deutsch verbessern müssen, ist kein Geheimnis. Für Ruedi Suter, Rektor der Berufsschule, war das ein Grund, den Intensiv-Stützkurs für Migranten zu lancieren: «Diese jungen Leute haben bereits viele Anstrengungen unternommen, um eine Praktikums- oder gar Lehrstelle zu finden. Und das ist ihnen mit minimalsten Deutschkenntnissen gelungen.»

Ziel des Intensiv-Stützkurses

Gemäss Ruedi Suter dient der Kurs dazu, den Jugendlichen eine Basis für ihr späteres Leben zu geben: «Durch die Teilnahme am Intensiv-Stützkurs können sie dem regulären Berufsschulunterricht besser folgen. Dies erhöht die Chancen, dass sie die Berufsausbildung erfolgreich abschliessen können. Zudem können sie sich im Berufsalltag besser verständigen. Wenn es uns gelingt, diese Flüchtlinge auszubilden, haben sie eine Chance, eines Tages eine Arbeitsstelle zu finden, sich zu integrieren und einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.»

Positive Erfahrungen

Urs Schwarz, Abteilungsleiter Allgemeine Bildung, zieht ein positives Fazit: «Die Berufsschüler, die oft erst seit wenigen Jahren in der Schweiz leben, sind sehr motiviert, denn sie haben erkannt, dass sie dank dem Kurs ihre Deutschdefizite reduzieren können. Für den erfolgreichen Abschluss der Berufslehre ist dies eine Notwendigkeit.»

Im Unterricht bespricht Andrea Schweizer mit den Schülern unter anderem auch ihre Hausaufgaben. Die Aufgabenstellungen zu verstehen, ist nicht immer einfach, wenn die Schüler nur wenig Deutsch verstehen oder lesen können. Dann ist Improvisation gefragt und Übersetzungsprogramme helfen, die richtige Übersetzung gemeinsam zu finden und die Aufgaben zu lösen. Für die Lehrerin ist das eine grosse Herausforderung, denn sie spricht weder die Sprachen Eritreas, Syriens noch Serbiens. Manchmal hilft Englisch weiter. So oder so: Bis zur Lösung einer Aufgabe ist es oft ein langer Weg, und dies gelingt nur durch ein schrittweises Herantasten.

Schüler spüren Fortschritte

Vanja, 20-jährig, aus Bosnien, konnte nach ihrer Ankunft in der Schweiz nur ganz wenige Wörter Deutsch sprechen. Inzwischen absolviert sie in einem Alterszentrum eine Lehre als Fachfrau Hauswirtschaft. Von den Bewohnern erhielt sie schon viele Komplimente für ihr verbessertes Deutsch.

Wilson stammt aus Kolumbien und absolviert eine Lehre als Sanitärinstallateur. Der 35-jährige Mann schätzt am Kurs, dass er hier länger Zeit hat, den Schulstoff zu studieren. Bei Fragen kann er sich direkt an die Lehrerin wenden.

Merhawi hat seine Wurzeln in Eritrea. Er ist erst zwanzig Jahre alt und absolviert ei-ne Lehre als Sanitär/Haustechniker. Dank dem Intensivkurs kann er sich jetzt auch im Geschäft besser ausdrücken, da seine Fortschritte spürbar sind.

Zwei Sprachen erlernen

Alle Flüchtlinge sind im täglichen Leben, in der Schule und bei der Arbeit mit dem gleichen Problem konfrontiert: Sie müssen nicht nur Schweizer Mundart, sondern auch Hochdeutsch erlernen. Dank diesem Intensiv-Stützkurs können sie sich Woche für Woche verbessern.

Dieses wertvolle Projekt kann dank der finanziellen Unterstützung des Departements Bildung, Kultur und Sport und den Ausbildungsbetrieben, welche die Lernenden für den Zusatzunterricht freistellen, realisiert werden.

CRC

Berufsschule Lenzburg

Rektor: Ruedi Suter

Neuhofstrasse 36

5600 Lenzburg

Tel. 062 885 39 00

www.bslenzburg.ch

Intensiv-Stützkurs

Der Intensiv-Stützkurs für Migranten (iSfM) unterstützt Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen auf ihrem Weg zu ihrer Berufsausbildung mit EBA- oder EFZ-Abschluss. Der iSfM dauert gleich lang wie die reguläre Lehrzeit. Aktuell besuchen rund 20 Personen aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Serbien und Kolumbien den Kurs. Während 3,5 Tagen arbeiten sie im Lehrbetrieb, einen Tag besuchen sie die Berufsfachschule und einen halben Tag den Intensiv-Stützkurs. Der Kurs bietet den Betrieben die Chance, motivierte und begabte Personen trotz ihrer Sprachschwierigkeiten auszubilden.