Vereidigung auf Schloss Lenzburg durch RR Louis Lang, März 1977
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1/3 Vereidigung auf Schloss Lenzburg durch RR Louis Lang, März 1977 z.V.g.
Terrorfahndung im Zusammenhang mit der RAF 1977
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2/3 Terrorfahndung im Zusammenhang mit der RAF 1977 z.V.g.
Hauptmann André Zumsteg wird nach 43 Jahren im Polizeidienst pensioniert.
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3/3 Hauptmann André Zumsteg wird nach 43 Jahren im Polizeidienst pensioniert. z.V.g.
22.07.2019 00:00

André Zumsteg: 43 Jahre in den Diensten der Sicherheit

Hauptmann André Zumsteg wird am 31. Juli pensioniert. 43 Jahre lang arbeitete er bei der Polizei, bildete neue Polizisten aus, war Mitgründer einer Sondereinheit, erlebte Schönes und Bedenkliches. Sein Ehrgeiz und sein Wille zur Höchstleistung waren während all den Jahren nie gebrochen. Dies auch dank seiner Familie.

Aarau «Ohne meine Frau wäre das alles nicht möglich gewesen», antwortet Hauptmann André Zumsteg auf die Frage, warum er immer einer der bereitwilligsten Polizisten war. «Ich bin, wie ich bin und war während meiner ganzen beruflichen Laufbahn mehr im Dienst als Zuhause. Meine Frau hielt mir immer den Rücken frei.» Am 31. Juli wird er pensioniert und darf auf eine bewegte Karriere zurückschauen. Auf Siege und auf Niederlagen.

Kampf gegen den Terror

1976 absolvierte Zumsteg die Ausbildung zum Polizisten. Bereits 1977 absolvierte er das Training für eine polizeiliche Antiterrortruppe. Der Grenadierzug, der später den Namen «ARGUS» haben sollte. Man gründete die Truppe reaktionär auf Verbrechen, die unter anderem von der linksextremistischen Rote-Armee-Fraktion – kurz «RAF» - verübt wurden. Man nannte in diesem Zusammenhang auch oft den Ausdruck «Deutscher Herbst». Denn dieser besagte Oktober 1977 zeigte, dass es in Deutschland und in Europa zu Gruppierungen mit einer solchen Brutalität und Gnadenlosigkeit kommen kann, dass normal ausgebildete Polizisten an ihre Grenzen kommen. Zumsteg war Mann der ersten Stunde. Aus der gegründeten Antiterroreinheit entwickelte sich nach und nach die heutige Sondereinheit. ARGUS ist bis heute eine der besten Eliteeinheiten der Welt und konnte sich vor Kurzem beim internationalen Vergleichswettkampf Combat Team Conference in Bonn als Sieger vom Platz begeben.

Von Sieg und Niederlage

Früh lernte Zumsteg, dass die Arbeit bei der Polizei von Emotionen geprägt ist. Besonders hart lernte er dies am Heiligabend 1980. An diesem Abend starben drei Menschen: der Zöllner Josef Arnold, der Kantonspolizist Walter Wehrli und dessen Mörder: der Neo-Nazi Frank Schubert. Was in Büchern stand, wurde Realität. «Das prägt», meint der Hauptmann.

Während sich in ganz Europa polizeiliche Sondereinheiten formierten, trainierten auch die Aargauer weiter. Der erste grossartige Erfolg zeichnete sich 1999 ab. Die Aargauer gewannen zum ersten Mal das «Combat Team Conference», die auch als «Olympiade der Spezialeinheiten» genannt werden darf. Zumsteg war in der damaligen Truppe. Am 27. Juni konnte dieser Titel erneut in den Aargau geholt werden. Zumsteg funktionierte als Abteilungschef.

«Das Mentale ist die Stärke»

Während all der Jahre wusste Zumsteg, dass nicht der grösste Bizeps oder das härteste Training über Sieg und Niederlage entscheidet. Nein, der Sieg beginne immer im Kopf: «Das Mentale ist der Schlüssel zum Erfolg», ist er überzeugt. Das bewies er nicht nur im Job, sondern auch in der Freizeit. Zumsteg ist leidenschaftlicher Marathonläufer. Zu seinen Glanzzeiten absolvierte er bis zu 14 Marathons im Jahr! An einen erinnert er sich besonders gerne: Den New York City Marathon 1999. Er absolvierte die etwas mehr als 42.2 Kilometer in 3:32 Stunden.

Und wie geht es weiter?

Hauptmann André Zumsteg ist noch bis am 31. Juli im Dienst. Uniform trägt er nicht mehr oft und sein Büro sucht er nur noch sporadisch auf. Es gehe im Moment mehr um das Räumen seines Materials, schmunzelt er. Ruhig werde es um ihn aber nicht. Er habe noch drei Projekte in Planung, aber in erster Linie wolle er sich wieder öfters sportlich betätigen. «Ich will wieder mehr trainieren und auch mit meiner Frau den Ruhestand geniessen.» Sie arbeitete 33 Jahre lang als diplomierte Nachtwache im Golatti-Pflegeheim. «Es wird bestimmt nicht langweilig bei uns. Staub setzt sich sicher keiner an!»

Rinaldo Feusi