Autor Max Dohner (l.) mit  Gast Jürgen Sahli
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03.10.2018 16:42

«Radio machen mit Herz und Gefühl»

Im Rahmen von «Literatur in der Hypi» waren vor Kurzem Jürgen Sahli, ehemaliger Radiomoderator, und Autor Max Dohner in der Schalterhalle der Bank zu Gast. Begrüsst wurden die illustren Gäste von Sacha Hostettler der Hypi und Bettina Spoerri, Leiterin des Literaturhauses Aargau.

Lenzburg Über ein Jahrzehnt war die Stimme von Jürgen Sahli im Äther auf der Wellenlänge von Radio Argovia zu hören. Täglich kommentierte er die Geschehnisse auf der ganzen Welt.

Seine Sendung «de Sänf derzue» war legendär und sehr beliebt. Mit Autor Max Dohner unterhielt er sich über das Medium Radio und dessen Herausforderung. «Was sind Radioleute für Cracks?» wollte Schriftsteller Dohner zum Einstieg wissen.

«Ich komme vom Print her, nach zehn Jahren beim Aargauer Volksblatt habe ich zu Radio Argovia gewechselt», erklärte Jürgen Sahli. Dort erlebte er den Aufbau des AZ-Medienhauses und war ein Mann der ersten Stunde beim Privatradio. «Was sind die Herausforderungen des Radios? Die Sprechzeit hat sich doch immer mehr verkürzt», fragte Dohner etwas schelmisch. Die Zeit sei nicht massgebend, Kunst beim Radio sei es, in 30 Sekunden möglichst kompakt und effizient zu informieren, um auch der Musik genügend Platz einräumen zu können, erläuterte der ehemalige Radiomoderator. Max Dohner teilte diese Meinung. Er sagte, 150 Zeichen seien vielfach auch im Print ausreichend für eine Kurzinformation.

Am Puls der Zuhörer

Zu früheren Zeiten ging der Radiomoderator mit seiner eigenen Musik-Plattensammlung ins Studio und präsentierte sie seiner Vorliebe entsprechend dem Publikum. Wir hatten alle Freiheiten, kannten unser Publikum und machten Radio für die Aargauer und stellten uns auf die Wünsche der Argovia-Hörer ein, erklärt Sahli mit einem Schmunzeln. Tempi passati! Heute ist vieles anders, schneller und hektischer. «Und dennoch, Radiomachen ist der schönste Beruf den man haben kann», lobte Sahli, beinahe schwärmerisch. «Woher kommt die grosse Freude für das Radio?», wunderte sich der Journalist Dohner. «Täglich konnte ich das Weltgeschehen kommentieren und De Sänf derzue geben», führte Sahli aus. «Die Radiohörer schätzten das und fühlten sich persönlich angesprochen.» Radiomachen «funktioniere» aber nur, wenn die Tätigkeit mit Herz und Gefühl, geprägt durch die Persönlichkeit des Moderators, betrieben werde, gab Jürgen Sahli einen kurzen Einblick in die Moderatorentätigkeit. «Der Radiomoderator hat den Informationsauftrag, seine Hörer bei Laune zu halten, dabei aber sich selber zu bleiben, sinnierte Sahli. Nach 27 Jahren Radiotätigkeit freut er sich, wieder vermehrt dem Segeln widmen zu können.

Peter Remund