Steinpilz in Zofingen.
z.V.g.
1/5 Steinpilz in Zofingen. z.V.g.
Fritz Siegrist mit einem Pantherpilz. Er zählt zu den giftigsten Pilzen Europas.
z.V.g.
2/5 Fritz Siegrist mit einem Pantherpilz. Er zählt zu den giftigsten Pilzen Europas. z.V.g.
Fritz Siegrist (i.) und Paul Künzi sind Pilzkontrolleure. Der Bezirk Zofingen sei für dieses Hobby ideal, meinen sie. 
rfb
3/5 Fritz Siegrist (i.) und Paul Künzi sind Pilzkontrolleure. Der Bezirk Zofingen sei für dieses Hobby ideal, meinen sie. rfb
Fliegenpilz in Zofingen.
4/5 Fliegenpilz in Zofingen.
Behutsam putzt Paul Künzi Eierschwämmli.
z.V.g.
5/5 Behutsam putzt Paul Künzi Eierschwämmli. z.V.g.
02.10.2018 06:00

«Im Wald lohnt es sich, zweimal hinzuschauen!»

Paul Künzi und Fritz Siegrist verbindet eine gemeinsame Leidenschaft: Pilze. Das oft missverstandene Gewächs kann nämlich mehr als sättigen oder töten. Pilze können auch heilend wirken. Die beiden Männer berichten von ihrem Hobby und warum es sich lohnt, im Wald zweimal hinzuschauen.

Region Pilze werden in der Systematik der Lebewesen als eigenständiges Reich aufgeführt. Neben Pflanzen und Tieren bilden sie somit den dritten Strang. Global wird die Anzahl Pilzarten auf ca. 100'000 Stück geschätzt, in Zentraleuropa allein sind es 6'000 Arten von Grosspilzen. Als solche werden Pilze bezeichnet, die Fruchtkörper bilden und von blossem Auge sichtbar sind. Für Paul Künzi aus Zofingen und Fritz Siegrist aus Strengelbach sind Pilze eine Leidenschaft. Sie zu suchen, zu erkennen und schliesslich zu verspeisen, bereitet ihnen grosse Freude. So sehr, dass sie es vor Jahren professionalisierten. Beide sind akkreditierte Pilzkontrolleure. Künzi ist Koch und macht es in der Freizeit, Siegrist hingegen wird von der Gemeinde Strengelbach als Kontrolleur eingesetzt. Er ist 78 Jahre alt. Pilzexperte ist er seit 30 Jahren. «Pilze sind schon seit meiner Schulzeit eine Leidenschaft von mir.» Künzi lässt sein Hobby in seine Gerichte einfliessen: «Wieso für Eierschwämmli bezahlen, wenn sie doch so schön in den heimischen Wäldern vorkommen und erst noch besser schmecken?», so sein Credo.

Im Zweifelsfalle nie!

Das Pilzsuchen wird ein immer beliebteres Hobby. Der Aargau sei nämlich ein guter Pilzkanton meint der Senior. «Hier wachsen sehr viele essbare Pilze. Aber man muss vorsichtig sein!», ermahnt er. Deswegen bieten diverse Institutionen Pilzschulungen an. Im Obristhof unterrichten die beiden regelmässig Gruppen in Pilzkunde. Pilzsammlen sei ein Hobby, das Jahre brauche, um es zu perfektionieren. Das müsse man hinnehmen, meinen die beiden Experten. «Manchmal senden mir Hobby-Sammler Bilder per Telefon und fragen, ob man diese essen dürfe. Solche Ferndiagnosen sind viel zu gefährlich! Man muss sich der Gefahr bewusst sein», sind sie sich einig. Einer der giftigsten Pize im Bezirk ist der Pantherpilz. «Er ist absolut tödlich», meint Künzi. Wenn man keine Erfahrung habe, könne man ihn verwechseln. Grundsätzlich zählt unter Pilzlern daher eine goldene Regel: Im Zweifelsfall nie!

Ein gutes Jahr und keiner weiss warum

Das aktuelle Jahr sei speziell, meinen die Pilz-Experten. Orte, die sonst reich an Pilzen waren, liegen heuer brach. An anderen Orten findet man Steinpilze, wo man die letzten 20 Jahre nichts fand. Warum das so sei, können beide nicht beantworten. Es sei immer so eine Sache mit den Pilzen. Sie wüchsen, wo sie wollen. «Es scheint, als sei im Boden immer noch eine gewisse Feuchtigkeit enthalten», meint Künzi. Der gesamte Bezirk sei sehr gut für Pilze. Das Klima und die Temperaturen sind ideal für diverse Speisepilze. Aber auch giftige wachsen gut. «Ich fand einmal rund 70 Fliegenpilze auf einem einzelnen, überwucherten Baumstamm», schildert der Pensionär.

Wir Glückspilze

Besonders bedenklich finden die beiden Kontrolleure einige Gerüchte rund um Pilze. Von einer Verteufelung der Familie der Fungi wollen sie daher absehen. Viele Pilze haben nämlich auch heilende Wirkungen und werden seit tausenden von Jahren in der Heilkunde verwendet. Man dürfe froh sein, in einem so reichhaltigen Gebiet wohnen zu können, meinen beide. «Bei uns kann man abends für 30 Minuten auf einen Spaziergang gehen und kommt mit einem vollen Körbli Pilzen nach Hause. Das ist doch wunderbar!», so Künzi. Es lohne sich, im Wald zweimal hinzuschauen.

Rinaldo Feusi