Die Schule Fahrwangen testet das Radiostudio von Kanal K.
z.V.g.
1/2 Die Schule Fahrwangen testet das Radiostudio von Kanal K. z.V.g.
Kanal K nimmt ihren Radio Award entgegen. V.l.: Jürg Morgenegg (Geschäftsführer), Daniela Hallauer (Verwaltungsratspräsidentin), Sandra Tayert (Head of Music), Orion Binakaj (Assistent Musikredaktion), Fabian Koch (Verwaltungsrat) und Patrick Righi (Musikredaktor).
2/2 Kanal K nimmt ihren Radio Award entgegen. V.l.: Jürg Morgenegg (Geschäftsführer), Daniela Hallauer (Verwaltungsratspräsidentin), Sandra Tayert (Head of Music), Orion Binakaj (Assistent Musikredaktion), Fabian Koch (Verwaltungsrat) und Patrick Righi (Musikredaktor).
30.09.2018 08:00

Ein lokales Radio mischt bei den Grossen mit

Vor Kurzem hat der Aarauer Radiosender Kanal K den SwissMusicOnAir-Award 2018 gewonnen. Das etablierte Alternativradio ist aber nicht nur in der Musikredaktion gut aufgestellt.

Aarau Kanal K ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Der 1987 gegründete Lokalradiosender ist der einzige im Aargau, der für seine Arbeit vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) unterstützt wird und deshalb finanziell unabhängig ist. Dies ermöglicht dem Alternativradio, eine einzigartige Palette an Sendungen zu produzieren. Kanal K muss keinem Mainstream folgen und hatte das auch nie vor. In den über 30 Jahren Tätigkeit etablierte sich der Sender als breit gefächertes Radio, bei dem das Lokale stets an erster Stelle kam und gleichzeitig auch Platz für gesellschaftliche Minderheiten geschaffen wurde.

Durch viel Freiwilligenarbeit möglich gemacht

Kanal K ist vor allem bekannt dafür, viel regionale Musik zu spielen und unbekannten Newcomern eine Plattform zu bieten. Für diese Arbeit hat der Sender erst kürzlich - als zweites Radio überhaupt - den SwissMusicOnAir-Award gewonnen.

Geschäftsführer Jürg Morgenegg ist stolz auf sein Team. «Dieser Award ist eine tolle Wertschätzung für die vielen freiwilligen Radiofreaks, die jeden Monat ihre Sendung abliefern», so der Aarauer.

Ein Sozial-Radio

Kanal K hat neben seinem einzigartigen Musikprogramm aber noch viel mehr zu bieten. Mit Projekten wie dem «Happy Radio» und dem «Tag des offenen Radiostudios» bietet der Kanal gesellschaftlichen Minderheiten die Möglichkeit, ihre eigene Sendung zu produzieren.

Für «Happy Radio» werden jeden Freitagnachmittag drei Menschen mit Beeinträchtigung z.B. von der Stiftung Schloss Biberstein ins Radiostudio eingeladen. Dort produzieren sie, mit der Unterstützung einer Radiojournalistin und eines Betreuers, ihre eigene Sendungen.

Interkultureller Austausch

Kanal K arbeitet auch mit Flüchtlingen zusammen. Die Jungjournalistin Antoinette Gloor hat erst kürzlich die Verantwortung für das Projekt «Tag des offenen Radiostudios» übernommen. Dafür wird in den umliegenden Asylunterkünften jeweils nach Interessierten gesucht, die dann eine Radiosendung kreieren können.

Für diese dürfen sie über ein selbst gewähltes Thema eine Geschichte schreiben, welche sie dann in der Sendung vorlesen. Das Ziel des Projektes ist einerseits, die Deutschkenntnisse anerkannter Flüchtlinge zu verbessern und ihnen andererseits auch ein Sprachrohr zu bieten. «Manchmal sind sie anfangs schon ein bisschen skeptisch oder trauen sich nicht, weil sie ihre Sprachkenntnisse für zu wenig gut halten», erzählt Antoinette Gloor. Je nach Deutschniveau entstünden dabei allerdings teils äusserst inhaltvolle Beiträge zu Meta-Themen wie Migration und Politik.

Ausbildungsradio durch und durch

Nationale Bekanntheit hat Kanal K auch durch seine Ausbildungspolitik erlangt. Kaum ein Lokalradio hat so vielen etablierten Journalisten den Einstieg in die Medienwelt ermöglicht. So starteten beispielsweise Tina Nägeli und Michel Birri ihre Karriere in Aarau.

Das Radio bietet zudem Projektwochen für Schulklassen an, bei denen die Kinder die Arbeit bei einem Sender kennenlernen und selbst Texte erarbeiten dürfen. Franziska Monnerat koordiniert diese Angebote. «Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie wenig Scheu die Schüler auf die Strasse gehen und Umfragen durchführen».

Irene Müller